Mittwoch, 29. Februar 2012

Kurzrezension - McCourt, Rossi, Herrera

Ja, ich gestehe, ich werde faul und meine Rezensionen immer kürzer...  aber ich schreibe sie ja eh fast nur für mich, um mich zu erinnern, was ich überhaupt gelesen habe.

In letzter Zeit habe ich mir einige (Auto-)Biografien auf der roten Couch zur Brust genommen:


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Frank McCourt - Tag und Nach und auch im Sommer

Der bekannte Autor von "Die Asche meiner Mutter" erzählt hier von seinen Erwachsenenjahren als Lehrer in New York.
Jo.
Amüsante Episoden von seinem teils unkonventionellen Herangehen an den Beruf, schön geschrieben, aber ich habe nicht gerade an den Fingernägeln gekaut vor Spannung.

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(3 von 5 Punkten)

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Sonia Rossi - Fucking Berlin

Eine junge Italienerin kommt nach Berlin, um Mathe zu studieren. Als Ausländerin bekommt sie kein Bafög,Nebenjobs sind schlecht bezahlt, und zu allem Überfluss reißt sie sich auch noch einen polnischen Exstricher als Freund auf, der nicht viel macht außer Kiffen und Bier trinken - und heiratet ihn auch noch überstürzt. 

Wunder, Wunder - das Geld ist knapp, also beginnt sie mit erotischen Massagen und Ausziehen vor Webcams, um wenig später richtig anschaffen zu gehen. 

Danach folgt zumindest bis Mitte des Buches (weiter habe ich es nicht gelesen...) nur eine öde Aneinanderreihung von Beschreibungen und kleinen Anekdoten, wie die Arbeit in dem einen Puff war oder im anderen (eher mies), welche Kolleginnen viel tranken (alle) und welche Freier Schweine waren (die meisten). Liest sich genauso trocken und fad, wie es hier klingt.

Daher nur
**
(2 von 5 Punkten)

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Hayden Herrera -  Frida Kahlo

Ich habe schon einmal vor Jahren einen autobiographisch gefärbten Romane über die Kahlo gelesen (Meine Schwester Frida von Barbara Mujica und Elisabeth Müller) und kannte daher im Groben Frida Kahlos Leben. Aber in letzter Zeit begegnete sie mir oft - also las ich wieder etwas über sie.

Frida Kahlo war durch einen Unfall ihr Leben lang gesundheitlich eingeschränkt - was sie aber weder von einer künstlerischen Erfolgslaufbahn noch von leidenschaftlichen Liebesbeziehungen oder aktivem Revoluzzertum als Kommunistin abhielt. Sie malte fast nur sich selbst - ihr Kennzeichen waren ihre zusammengewachsenen Augenbrauen und ein Oberlippen-Bartflaum. Sie trug mexikanische Trachten, doch ihre Vorfahren waren nicht nur Indios und Spanier, sondern auch Deutsche und ungarische Juden.

Eine wirklich spannende, schillernde Frau, deren viele Facetten in der Biografie von Herrera gut zur Geltung kommen. Ich fand es nur schade, dass viele Werke der Kahlo nur in schwarz-weiß abgedruckt wurden; auch hätte es für meinen Geschmack im Buch überhaupt mehr Bilder - sowohl Werke als auch Fotografien - geben können. Die Schrift war etwas knurpselig-klein.

Nichtsdestotrotz
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(4 von 5 Punkten)


Sonntag, 12. Februar 2012

Haruki Murakami - 1Q84 Band 3

Hatte ich die ersten beiden Bände (in Deutschland als ein Buch erschienen) rezensiert? Ich glaube, ja. Sie sind für einen Murakami sehr schwach.

Im dritten Band passiert so gut wie gar nichts Neues mehr, aus drei verschiedenen Perspektiven wird herumgegrübelt, was denn so alles vorher geschah. Anfangs fand ich das noch ganz angenehm, da meine Lektüre der ersten Bände schon etwas her war und ich ganz zufrieden damit war, dass ich noch einmal die bisherige Story rekapitulieren konnte. Aber es kam so gut wie keine neue Handlung dazu, es ging immer nur um die Geschehnisse aus Band eins. Immer und immer wieder. Unendlich redundant und der erste Murakami, den ich beinahe nicht zu Ende gelesen hätte!

Auch die Sprache und/oder Übersetzung ist schräg, merkwürdige unsinnige Sprachbilder und auch offensichtliche Fehler (er trug Handschuhe, um keine FingerSPUREN zu hinterlassen). Schon fast frech - seitenweise Zitate und Nacherzählungen aus anderen Werken (Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Jenseits von Afrika) ohne direkten Bezug zur Handlung. Die immer gleichen vier "murakamiesken" Merkwürdigkeiten des Romans (zwei Monde, Little People, Puppe aus Luft & "Mother und Daughter") werden weder erklärt noch zu irgendeinem befriedigenden Ende geführt.
Und das Ende: süßlich-kitschig

Dabei kann es Murakami so viel besser! Schade!
Mit etwas Wohlwollen
**
(zwei von fünf Sternen)



Freitag, 10. Februar 2012

Kurzrezensionen: Falk, Pratchett, Durlacher, Uschmann

Rita Falk - Dampfnudelblues

Der ermittelnde Polizist ist für mich unerträglich oberflächlich und stumpfsinnig. Da kann mich dann auch die Story nicht mehr recht überzeugen.

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(drei von fünf Sternen)




Terry Pratchett - Einfach göttlich

Unterhaltsame Geschichte aus dem Königreich und vom Gott Om mit bösen Seitenhieben auf monotheistische Religionen und mit der plausiblen Theorie, dass Götter immer nur so mächtig sind wie der Glaube an sie.

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(vier von fünf Sternen)




Jessica Durlacher - Die Tochter

Ein klein wenig fade Geschichte einer Liebe im Nachkriegsholland vor dem Hintergrund familiärere Verwicklungen im Holocaust.

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(drei von fünf Sternen)



Oliver Uschmann - Wandelgermanen

Ich werde ja langsam ein Fan der "Hartmut und Ich"-Reihe! Diesmal verschlägt es die beiden Freunde in die deutsche Provinz, genauer ins Hohenloher Land, und sie machen Bekanntschaft mit den Tücken eines günstig ersteigerten Hauses, dauerrauchenden Nachbarn, irrer Lokalverwaltung und - ja, eben den Wandelgermanen.

Sehr amüsant!

*****
(fünf von fünf Sternen)

Samstag, 14. Januar 2012

Kiana Davenport - Haifischfrauen

Ähnlich wie bei Historienromanen bin ich auch bei Romanen aus der Kategorie "vier Generationen starker Frauen mussten sich gegen alle Widerstände durchs Leben wurschteln" inzwischen etwas kritisch. Zumindest, wenn sie in Skandinavien spielen, davon habe ich schon zu viele gelesen.

Hier aber leben die starken Frauen auf Hawai'i - eine Gegend der Welt, über die ich zuvor so wenig wusste, dass es auf einen Din A 4-Seite passte. Das ist dank dieses Buches nun anders. Und auch, wenn die Geschichte für meinen Geschmack ein paar mäandernde Schleifen zu viel hatte, ich habe sie sehr gerne gelesen. Zentrale Figur des Romans ist Pono, eine kahuna (Seherin/Priesterin), die weniger mit spirituellen denn sehr realen Problemen im Leben konfrontiert wird - Ausbeutung, Gewalt, Lepra, Geldsorgen, renitente Töchter... ihr Leben wird erzählt und das von vier ihrer Enkelinnen, die sie regelmäßig besuchen und ganz verschiedene Wege eingeschlagen haben. 

Wie gesagt - sehr interessant, realistisch, unkitschig, auch schön erzählt, nur für meinen Geschmack zu viele Handlungsfäden.

Kokua Hawai'i!

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(vier von fünf)

Tanja Kinkel - Venuswurf

Bisher bin ich den Historienromanen von Tanja Kinkel immer ausgewichen. Ich kann gar nicht sagen wieso. Vielleicht, weil es drei Arten von Historienromanen gibt, die mich inzwischen nerven:
a) Schlechte MZB-Kopien ohne jeden Realitätsbezug nach dem Motto: "Die Druidinnen-Schule auf Island",
b) Furztrockene Nacherzählungen von Biographien bekannter historische Persönlichkeiten und
c) Emotional aufgeblasene Machwerke mit dem Inhalt "Die 83. brutale Schändung der als Hexe verbrannten Hebamme" oder aber "Zärtliche Küsse vom rauhen Highländer".

Kinkels Roman gehört dankenswerterweise in keine der Kategorien; er ist flott erzählt, dabei historisch fundiert und gut recherchiert. Er beleuchtet ein bekanntes Setting - die Intrigenspiele in den römischen Herrschaftshäusern um das Jahr Null - aus einer ganz anderen Ecke. Die Protagonistin ist eine Kleinwüchsige, vom Vater als Sklavin verkauft. Da sie aber intelligent und gewitzt ist, schafft sie den Aufstieg innerhalb der Sklavenhierarchie.

Ich habe einiges über das römische (weibliche) Alltagsleben aus dem Roman gelernt.

Habe ich gerne gelesen! Hier und da vielleicht nur etwas zäh.

****
(vier von fünf Punkten)

Freitag, 13. Januar 2012

Nuala O'Faolain - Nur nicht unsichtbar werden: Ein irisches Leben

Ich lese eigentlich sehr gerne Biographien. Von dieser hier ist mir vor einiger Zeit der zweite Teil "Sein wie das Leben"  in die Hände gefallen, mit dem ich wenig anfangen konnte, da er sich viel um die Reaktionen auf den ersten Teil ihrer Biographie drehte. So griff ich neugierig zu, als ich den ersten Teil ausleihen konnte. Aber ehrlich gesagt hat mich das Buch auch nicht aus den Socken gehauen, obwohl es ja angeblich in Irland ein Megaseller war.

Der Inhalt?

Das Leben in Irland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war hart, grausam und gemein: Kirche und Frauenfeindlichkeit, Hunger und Armut, Alkohol und Prügel allerorten. Doch O'Favolain geht hinaus in die Welt, d.h. nach England, lernt da haufenweise wichtige Intellektuelle kennen, von denen ich zu mindestens 90% noch nie was gehört habe, hat Beziehungen zu Männern und Frauen, die nicht so recht klappen, und tut sich in mittleren Jahren selbst mächtig Leid.

Der Anfang mit den armen Iren war noch ganz interessant, für den Rest fehlte mir der intellektuelle oder lebensweltliche Anknüfungspunkt.

Daher nur **
(zwei von fünf Punkten)

Montag, 2. Januar 2012

Ronald Laing - Das geteilte Selbst

Ein alter Klassiker der Psychologie von einem psychiatriekritischen
Autor. Seinem Erstlingswerk, verfasst von Laing mit Ende 20, merkt man
sein Alter - mehr noch als z.B. Riemann oder Adlers Werken - deutlich
an, vielleicht, weil es stark auf Fallbeispielen basiert und weniger auf
Theorie und so auch das Grauen der Psychiatrie der 40er und 50er Jahre
angesprochen wird. Die Standardtherapie damals war offenbar (neben
dogmatischem Freudianismus) , den Kranken so lange zu foltern, bis er
wieder gesund wurde, u.a. durch lange Reihen von Elektroschocks und
künstlicher herbeigeführten Insulinkomas (vgl. Sylvia Plaths
"Glasglocke"). Auch anachronistisch - die Herleitung der Homosexualität
als "schizoide Störung".
Sehr inspirierend fand ich dagegen Laings Versuch, die schizoide Störung
- und eine mögliche Therapie - existenzialphilosophisch zu verorten. In
seinem Modell glauben Schizoide, dass sie neben der Persönlichkeit und
dem Körper "in er Welt da draußen" noch ein "wahres Selbst" besitzen,
das von jenen mehr oder weniger radikal getrennt ist und von dem Alltag,
vor allem sozialer Interaktion, bedroht wird. Um eine Beschädigung des
"wahren Selbst" zu vermeiden, schottet der Schizoide sein wahres Selbst
ab, versteckt es, baut Mauern um sich und so weiter. Dabei schwankt er
zwischen dem Bedürfnis, sich völlig zu verstecken, um "sicher" zu sein,
und dem Wunsch, sich völlig zu öffnen, um "erkannt zu werden" und
wahrhaft geliebt.
Das hat bei mir zwei große Ahas ausgelöst - zum einen wurde mir zum
ersten Mal richtig klar, wie schizoide und schizophrene Erkrankungen
logisch zusammenhängen können, zum anderen wurde mir klar, dass mein mir
selbstverständlich vorkommender psychologischer Aufbau über weite Phasen
meines Lebens hinweg nach diesem Modell schizoid war/ist.
Ich war allerdings etwas enttäuscht, dass dem Buch eine sozialkritische
Komponente, die ich die ganze Zeit noch erwartet hatte, fehlte - denn
nach meinem Ermessen muss eine komplexe und authentizitätsfeindliche
Gesellschaft (mehr noch als die heutige die aus der Zeit, in der das
Buch verfasst wurde!) das, was er als schizoide Persönlichkeitsstörung
oder schizoiden Persönlichkeitszug beschreibt, befördern! Gerade das
Beispiel von Homosexuellen drängt doch den Gedanken geradezu auf, dass
nicht schizoide Veranlagung homosexuell, sondern der Versuch,
unbeschadet als Homosexueller durch die Spießerwelt der 50er Jahre -
schizoid macht.
Da ich völlig subjektiv urteile und das Buch hier eines jener ist, die
mich 2011 am meisten zum Nachdenken gebracht haben gibt es
*****
(5 von 5 Punkten)